Heilbronn will Europas größtes Ökosystem für künstliche Intelligenz (KI) bauen, München zahlt die höchsten Tech-Gehälter und Berlin stellt die meisten KI-Startups. Gute Argumente haben also gleich mehrere Städte. Aber welche bietet KI-Fachkräften wirklich die besten Bedingungen?
Für den KI-Standort-Index 2026 haben wir 37 deutsche Städte über vier Säulen verglichen: offene KI-Stellen, Forschung und Ausbildung, das Startup-Ökosystem und die Frage, was vom Gehalt nach der Miete übrig bleibt. Alle vier Säulen zählen gleich viel und ergeben zusammen einen Indexwert von 0 bis 100 je Stadt. Die Daten stammen aus amtlichen Quellen oder kuratierten Fachdatenbanken, Stichtag ist der 10. Juni 2026.
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Übersicht folgt dem Aufbau dieser Seite, jedes Ergebnis ist weiter unten mit allen Daten belegt.
- Berlin (84,7 von 100) ist die KI-Hauptstadt Deutschlands 2026, knapp vor München (77,9). Dahinter wird es schnell dünn: Platz 4 liegt schon über 40 Punkte hinter der Spitze.
- Darmstadt ist der KI-Aufsteiger des Jahres und gewinnt die eigene Wertung der zwölf kleineren KI-Städte vor Freiburg und Tübingen.
- Die höchste KI-Stellendichte hat keine Millionenstadt, sondern Freiburg.
- Beim Gehalt nach Miete liegt Nürnberg vorn. Die Münchner Spitzengehälter verlieren gegen die Mieten.
- Beim Thema KI bleibt Deutschland geteilt: Alle fünf ostdeutschen Flächenländer zusammen zählen weniger amtliche KI-Stellen als Hessen allein, und der offiziell kleine Gehaltsabstand hält dem zweiten Blick nicht stand.
- Heilbronn will Deutschlands KI-Hauptstadt werden und landet bei den Aufsteigern auf Platz 4: Stark bei Ausbildung und Kaufkraft, am Arbeitsmarkt zum Stichtag kaum messbar.
Das Ranking der 25 größten Städte
Hinter dem Spitzenduo Berlin und München fällt das Feld schnell ab: Stuttgart erreicht als Dritter noch 66,1 Punkte, Hamburg als Vierter nur 43,3. München bleibt dabei der größte KI-Arbeitsmarkt des Landes, 29 amtlich gewertete Stellen, vor Berlin mit 27. Ein Blick in die Ausschreibungen zeigt, was gesucht wird: Knapp die Hälfte der 205 gewerteten Stellen entfällt auf AI Engineers, dahinter folgen Data Scientists und Machine-Learning-Engineers. Unter den Arbeitgebern stehen die Deutsche Telekom in München ebenso wie die Energieunternehmen 50Hertz und Siemens Energy in Berlin. Der Branchenverband Bitkom erwartet, dass sich dieser Markt weiter vergrößert: Es werde „der Bedarf an KI-Spezialistinnen und -Spezialisten steigen, wenn mehr Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen und in ihre Systeme integrieren wollen”, sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst im August 2025 bei der Vorstellung der IT-Fachkräfte-Studie seines Verbands. Auffällig ist Stuttgart. Mit 12 KI-Studiengängen, vom Bachelor Angewandte Mathematik und Künstliche Intelligenz bis zu vier Vertiefungsrichtungen von Data Science und Künstliche Intelligenz, hat die Stadt mehr Ausbildungsangebote als Berlin (10) und München (4) und verdankt Platz 3 vor allem der Forschungssäule. Am Ende der Tabelle stehen Bochum (12,4) und Leipzig (8,6).
Die Karte zeigt die Top 10 und die Flop 10. Die Tabelle schließt die Lücke dazwischen und zeigt alle 25 Städte mit den Einzelwerten der vier Säulen, sortierbar nach jeder Spalte.
Die Aufsteiger-Wertung: Kleine Städte, eigene Liga
Zwölf kleinere Städte treten in einer eigenen Wertung an. Voraussetzung ist belegte KI-Infrastruktur: eine ELLIS-Unit, ein DFKI-Standort oder ein staatlich gefördertes KI-Zentrum. Die Trennung von den Top 25 verhindert, dass eine 90.000-Einwohner-Stadt an Berlin gemessen wird. Darmstadt gewinnt die Liga mit 65,7 Punkten: Dort treffen ELLIS-Unit, DFKI-Standort und 19 KI-Startups auf moderate Mieten. Tübingen versammelt mit ELLIS, Max-Planck-Institut und Cyber Valley gemessen an seiner Größe eine der dichtesten Forschungslandschaften des Landes. Bei der Stellendichte stellen die Kleinen sogar die Metropolen in den Schatten: Freiburg bietet 0,34 KI-Stellen je 10.000 Einwohner, mehr als jede Großstadt, und auch Erlangen (0,27) und Darmstadt (0,25) ziehen an München (0,20) vorbei. Der Freiburger Wert ist kein Zufallsbefund: Dort sucht unter anderem die Haufe Group gleich mehrfach nach AI Engineers, dazu kommen Spezialisten wie der Navigationshersteller Northrop Grumman LITEF.
Was hinter den Indexwerten steckt, von den amtlichen KI-Stellen bis zum Gehalt nach Miete, lässt sich in der kompletten Aufsteiger-Auswertung vergleichen.
Wo vom KI-Gehalt am meisten übrig bleibt
Die Kaufkraft-Säule rechnet das amtliche Median-Gehalt der Software-Expertenberufe gegen die örtliche Miete. Bei den Top 25 gewinnt Nürnberg (73.250 Euro nach Miete) knapp vor Berlin und Augsburg, bei den Aufsteigern führt Erlangen vor Heilbronn. Das Ende der Skala: Dresden, Leipzig und Jena. Die günstigen Ost-Mieten gleichen die niedrigen Ost-Gehälter nicht aus.
Die KI-Lücke zwischen West und Ost
Die fünf ostdeutschen Flächenländer kommen zusammen auf 15 amtliche KI-Stellen. An der Spitze liegen Bayern (58), Nordrhein-Westfalen (56) und Baden-Württemberg (55) fast gleichauf, am Ende steht Mecklenburg-Vorpommern ohne eine einzige Ausschreibung. Auch Ausbildung und Forschung konzentrieren sich im Westen: In den untersuchten Ost-Städten Leipzig, Dresden, Jena und Potsdam zählt die Studie zusammen sieben KI-Studiengänge und sechs KI-Forschungseinrichtungen, der Sonderfall Berlin kommt allein auf zehn Studiengänge.
Beim Gehalt zeigt sich ein Doppelbefund: Offiziell beträgt der Abstand bei Software-Experten nur 3,4 Prozent, allerdings zählt die amtliche Statistik Berlin zum Osten, und Berlins hohe Tech-Gehälter heben den Ost-Schnitt. Ohne Berlin liegen Sachsen und Thüringen rund ein Viertel unter Bayern.
Heilbronn: Das Versprechen und die Daten
Kaum eine Stadt wird derzeit so offensiv mit künstlicher Intelligenz verknüpft wie Heilbronn. Das stadteigene Portal Wissensstadt Heilbronn feiert sie bereits als „unerwartete KI-Hauptstadt Deutschlands”, die Tagesschau berichtet über den Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI), hinter dem eine milliardenschwere Stiftung steht: rund 30 Hektar Campus für mehr als 5.000 Menschen, Spatenstich im Oktober 2025. Die Stichtagsdaten zeigen, wie weit Anspruch und Ist-Zustand noch auseinanderliegen. Am Arbeitsmarkt stehen 2 amtliche KI-Stellen und 3 KI-Startups. Zugleich liefert die Stadt dort, wo sie selbst gestalten kann: 7 KI-Studiengänge sind der Spitzenwert aller zwölf Aufsteiger, das Angebot reicht vom Bachelor Angewandte Künstliche Intelligenz bis zum Master Künstliche Intelligenz und industrielle Digitalisierung. Bei der Kaufkraft liegt Heilbronn auf Platz 2 der Liga. In Summe ergibt das Platz 4 mit Index 51,6 von 100. Fairerweise gilt: Der Campus entsteht erst und kann sich in den Arbeitsmarktzahlen zum Stichtag noch nicht niederschlagen. Für die Ausgabe 2027 ist Heilbronn deshalb die wichtigste Wiedervorlage der Studie.
Methodik: So haben wir gerechnet
37 Städte in zwei Ligen: Liga A sind die 25 größten Städte nach amtlicher Einwohnerzahl (Zensus 2022), Liga B sind die zwölf KI-Aufsteiger, kleinere Städte mit belegter KI-Infrastruktur. Vier gleichgewichtete Säulen, alle Indikatoren je Liga auf 0 bis 100 normalisiert. Der Gesamtindex ist der Mittelwert der vier Säulen.
1. KI-Jobs: Stichtagserhebung am 10.06.2026 über die offizielle Jobsuche-API der Bundesagentur für Arbeit, erfasst werden alle passenden Ausschreibungen der 30 Tage vor dem Stichtag. Gezählt werden nur Stellen mit einer von 8 definierten KI-Rollen im Jobtitel, ohne Praktika und Qualifizierungsstellen, dedupliziert über die amtliche Referenznummer. Eine vollständige Wiederholungsmessung am 12.06.2026 bestätigte, dass die Rangfolge kein Tageseffekt ist. Die Zahlen sind eine konservative amtliche Untergrenze, ein Plattform-Vergleich (LinkedIn, Stepstone) folgt als Studien-Update.
2. Forschung und Ausbildung: KI-Studiengänge laut amtlicher Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit plus KI-Forschungseinrichtungen am Standort (ELLIS, DFKI, Max-Planck, Fraunhofer und vergleichbare, jeweils mit Beleg).
3. Startup-Ökosystem: KI-Startups je Stadt laut appliedAI German AI Startup Landscape 2025.
4. Gehalt und Kaufkraft: Amtliches Median-Jahresgehalt der Software-Expertenberufe (Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Bundesland-Ebene) minus Jahreskaltmiete einer 40-m²-Wohnung (ImmoScout24 Marktdaten, Q1/Q2 2026). Ein Robustheits-Check zeigt: Auch ohne diese Säule bleiben die Spitzenplätze beider Ligen unverändert.
Daten nutzen und zitieren
Alle Daten, Tabellen und Grafiken dieser Studie stehen unter der Lizenz CC BY 4.0 frei zur Verfügung. Nutzung und Veröffentlichung sind ausdrücklich erwünscht, mit Quellenangabe.







