Warum derselbe Balkon in jeder Stadt anders rechnet
Die Rangliste vergleicht ein und dasselbe Balkonkraftwerk – ein 400-Wp-Modul mit 800-VA-Wechselrichter, nach Süden ausgerichtet, ohne Verschattung, für 400 Euro – in allen 79 deutschen Großstädten. Der einzige Unterschied zwischen den Zeilen der Tabelle ist die Sonne vor Ort: wie viele Sonnenstunden eine Stadt im Jahresmittel bekommt und wie sich das über die Monate verteilt.
Woher der Balkonkraftwerk-Ertrag stammt
Grundlage ist PVGIS, das photovoltaische Informationssystem der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC). Für jede der 79 Städte ist das Langzeitmittel der Jahre 2005 bis 2023 hinterlegt, getrennt nach Monat und nach Montageart – senkrecht am Geländer (90°) oder schräg aufgeständert (35°). PVGIS gibt seine Daten ausdrücklich frei zur Nutzung: „The information provided by PVGIS is free and there are no restrictions on its use.“ Für den Ertrag selbst rechnet die Rangliste mit den Standardannahmen von PVGIS, darunter 14 Prozent Systemverluste.
Wie stark sich die Balkonkraftwerk-Ausrichtung auswirkt
Wie viel Ertrag verloren geht, wenn ein Balkon nicht nach Süden, sondern nach Osten oder Westen zeigt, hängt vom Sonnenstand über den Tag ab: Eine Südausrichtung fängt die Mittagssonne am direktesten ein, Ost- und Westbalkone jeweils nur die Morgen- beziehungsweise Abendsonne. Die Rangliste selbst vergleicht die Städte einheitlich mit Südausrichtung, damit der Unterschied zwischen den Städten nicht von der Ausrichtung überlagert wird. Wer wissen will, was eine andere Ausrichtung, eine andere Montage oder ein Speicher für die eigene Situation verändert, kann das im Balkonkraftwerk-Rechner Schritt für Schritt ausprobieren.
Wie der selbst genutzte Anteil berechnet wird
Nicht jede erzeugte Kilowattstunde wird auch direkt im Haushalt verbraucht – ein Teil fließt ungenutzt ins Netz, ohne Vergütung. Der selbst genutzte Anteil in der Rangliste stammt aus einer Viertelstunden-Simulation mit dem BDEW-Standardlastprofil H25, ergänzt um realistisches Rauschen für einen einzelnen Haushalt statt eines gemittelten Kollektivs. Kalibriert ist das Modell an den veröffentlichten Referenzwerten des Stecker-Solar-Simulators der HTW Berlin, die für zwei konkrete Systemkonfigurationen jeweils eine Bandbreite an Eigenverbrauch in Kilowattstunden nennen. Der Jahresverbrauch je Haushaltsgröße folgt dem Stromspiegel für Mehrfamilienhäuser: Ein Ein-Personen-Haushalt kommt danach im Schnitt auf 1.500 Kilowattstunden im Jahr, ein Vier-Personen-Haushalt auf rund 3.000. Wählst du oben eine andere Haushaltsgröße, ändert sich damit auch, wie viel von dem erzeugten Solarstrom tatsächlich direkt verbraucht wird, bevor er ungenutzt ins Netz fließt.
Was Ersparnis und Amortisation bedeuten
Die Ersparnis pro Jahr ergibt sich aus dem selbst genutzten Strom, bewertet mit dem BDEW-Durchschnittspreis 2026 von 37,0 Cent pro Kilowattstunde (Stand: September 2026). Eingespeister Überschussstrom wird bei Steckersolargeräten seit dem Solarpaket I nicht vergütet, zählt also nicht in die Ersparnis hinein. Die Amortisation zeigt, nach wie vielen Jahren diese Ersparnis den Kaufpreis von 400 Euro wieder hereingeholt hat – ohne weitere Annahmen zu künftigen Strompreisen oder zur Modul-Degradation von 0,3 Prozent pro Jahr, die über die kurze Amortisationszeit kaum ins Gewicht fällt.
Was die Rangliste nicht zeigt
Die Eigenverbrauchsquote wurde ursprünglich für eine Stadt (Kassel) im Detail nachgebildet und auf die anderen Städte übertragen – der Ertrag pro Stadt ist exakt aus den Sonnendaten berechnet, die Eigenverbrauchsquote dagegen eine Näherung, die für alle Städte in ähnlicher Größenordnung gelten sollte. Örtliche Förderprogramme einzelner Städte oder Bundesländer sind in der Rangliste nicht eingerechnet, weil sie sich häufig ändern und nicht für jede Stadt vorliegen – ein Beispiel dafür steht im Beitrag Balkonkraftwerk anmelden.
Was du beim Set selbst noch ändern kannst
Die Rangliste hält Modul, Preis und Ausrichtung bewusst konstant, damit nur die Sonne vor Ort den Unterschied macht. In der Realität lässt sich an einem Balkonkraftwerk aber einiges anpassen: bis zu 2.000 Wp Modulleistung statt 400 Wp, ein Speicher, der überschüssigen Strom für den Abend aufhebt, oder eine andere Montageart. Wie stark sich das auf Ertrag und Amortisation an deinem eigenen Balkon auswirkt, zeigt der Balkonkraftwerk-Rechner Schritt für Schritt, mit denselben Sonnendaten wie die Rangliste.
Was den Ertrag sonst noch beeinflusst
Neben der Ausrichtung spielt auch die Verschattung eine Rolle: Ein höheres Nachbargebäude oder ein Baum kann direktes Sonnenlicht blockieren, vor allem in den Morgen- und Abendstunden bei tiefstehender Sonne. Die zugrunde liegende Datenbasis, PVGIS-SARAH3, arbeitet mit Wetterdaten aus den Jahren 2005 bis 2023 und Meteorologie-Basis ERA5 – Werte für eine mittlere Stadtlage ohne konkrete Verschattung durch Nachbargebäude. Deine eigene Situation kann davon spürbar nach oben oder unten abweichen, je nachdem wie frei dein eigener Balkon tatsächlich zur Sonne steht.
Warum kein Feed-in und keine Förderung eingerechnet sind
Die Rangliste rechnet ausschließlich mit dem Wert des selbst genutzten Stroms, weil eingespeister Überschuss bei Steckersolargeräten seit dem Solarpaket I nicht vergütet wird – er zählt als unentgeltliche Abnahme. Örtliche Förderprogramme, wie sie einzelne Städte zeitweise anbieten, sind ebenfalls nicht eingerechnet: Sie ändern sich häufig, laufen oft nur befristet und gelten nicht für alle 79 Städte gleichermaßen. Wer für seine Stadt ein aktives Programm findet, kann die Amortisation aus der Rangliste entsprechend nach unten korrigieren – Einzelheiten zur Anmeldung eines Balkonkraftwerks und typischen Regeln dazu stehen im Beitrag Balkonkraftwerk anmelden.
Wer die Rangliste nutzen kann
Gedacht ist die Rangliste unter anderem für Lokalredaktionen, Energieberatungen, Verbraucherzentralen, Vereine und Kommunen, die zeigen wollen, wie sich ein Balkonkraftwerk für die eigene Stadt konkret rechnet – ohne selbst eine eigene Berechnung aufsetzen zu müssen. Der Einbettungscode unten übernimmt dabei automatisch die gerade gewählte Stadt, sodass sich ein einzelnes Ergebnis direkt verlinken und einbetten lässt.
Tabelle einbinden
Unter der Rangliste steht ein Einbettungscode für die eigene Seite, der automatisch die Ansicht für eine ausgewählte Stadt mitnimmt – gedacht für Lokalredaktionen, Energieberatungen und Vereine, die das Ergebnis für ihre Stadt zeigen wollen.
Häufige Fragen
Welche Stadt hat den höchsten Balkonkraftwerk-Ertrag?
Das zeigt die Rangliste oben tagesaktuell mit dem eingestellten Haushalt und der gewählten Montage. Grundsätzlich gilt: Städte mit mehr Sonnenstunden im Jahresmittel liegen vorn, der Unterschied zwischen der besten und der schwächsten Stadt beträgt einige Prozent bei der jährlichen Ersparnis.
Wie stark wirkt sich die Balkonkraftwerk-Ausrichtung auf den Ertrag aus?
Eine Südausrichtung liefert im Jahresverlauf den höchsten Ertrag, weil sie die Mittagssonne am direktesten einfängt. Ost- oder Westbalkone bringen spürbar weniger, weil sie nur die Morgen- oder Abendsonne nutzen. Wie stark sich das für deinen Balkon auswirkt, kannst du im Balkonkraftwerk-Rechner ausprobieren.
Woher stammen die Ertragsdaten der Rangliste?
Aus PVGIS, dem photovoltaischen Informationssystem der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission. Verwendet wird das Langzeitmittel der Jahre 2005 bis 2023 für jede Stadt einzeln, getrennt nach Monat und Montageart. PVGIS gibt seine Daten ausdrücklich frei zur Nutzung, ohne Einschränkungen – deshalb lässt sich die Rangliste für alle 79 Großstädte im Detail berechnen.
Was bedeutet Amortisation bei einem Balkonkraftwerk?
Die Zeit, bis die jährliche Stromersparnis den Kaufpreis des Sets wieder eingespielt hat. Sie ergibt sich aus dem selbst genutzten Strom, bewertet mit dem BDEW-Durchschnittspreis, geteilt durch den Kaufpreis von 400 Euro. Je mehr Sonne eine Stadt bekommt und je größer der selbst genutzte Anteil des Stroms ist, desto schneller ist das Set bezahlt.



